Emotistikas Blog

Erlebnisse und Gefühle, Tatsachen und Interpretationen


 

September/Oktober 

Ich verarbeite hier ein Erlebnis, das Autisten sehr gut verstehen. Vielleicht andere aber auch.

Neuer Job.
Sich einen Monat lang bemühen, alles geben. 
Sich nicht anmerken lassen, dass man 21 Tage lang nervöse Verdauungsbeschwerden hat, gepaart mit einer 20-tägigen Blutung, mit dem Zusammenklappen nach jedem einzelnen Arbeitstag, sodass man nichts anderes mehr schafft als zu existieren. Jeden Tag kommen neue Symptome hinzu, zuerst fallen mir nur die Dinge aus der Hand. Später stoße ich mich jeden Morgen an, später ein kleiner Autounfall direkt nach der Arbeit, dann an einem anderen Tag das Abschleppen des Autos, angeblich die temporären Verbotsschilder nicht gesehen, dann noch die erhöhte Lichtsensibilität, die ein Fahren morgens bei 50 Minuten Anfahrt mit in die Rückspiegel blendender Sonne zur Tortur machte. Und immer diese Müdigkeit. Und die Lautstärke am Arbeitsplatz. Zuletzt zweimal ein Sturz auf der Treppe im Haus, beim zweiten Mal mit erheblicher Konsequenz (die Kante ist aus Metall, das merkten Ellenbogen und Hinterteil, welches ganz blau wurde). Und dann das Ausweiten dieser Ereignisse, sodass sogar Angriffe seitens einer Vorgesetzten kamen, die ihre Emotionen an mir ausließ; Gegenstand war meine angeblich zu detaillierte Information der Klienten; meines Erachtens aber nur ehrlich und integer. Mir wurde jedoch Mangel an Teamfähigkeit unterstellt; dabei funktioniert dieses Team überhaupt nicht, wie ich zuvor feststellte.
Dabei noch den Magen-Darm-Viren in der Arbeitsstätte ausgesetzt zu sein und eine verantwortungsvolle Tätigkeit ausführen, bei der ein Fehler tödlich sein kann. 
Natürlich sagte mein Körper "Stop" und es gab eine Krankschreibung über 4 Tage, von denen einer ohnehin ein Urlaubstag war, an dem ich aber nicht Urlaub hatte, sondern das eigene behinderte Kind zu einer Klinik begleitete, auf den Termin hatte man Monate gewartet und dann wurde das Kind abgewiesen, weil es nicht bereit war, die Personen dort zu siezen und selbst auch nicht gesiezt werden wollte (bald volljährig). 
Ich war also im Zustand "Telefonphobie", wie so oft. 
Dann eine erneute Krankschreibung von der Vertretung meiner Psychiaterin und sofort eine Kündigung. 
Laut Kollegin, da die Chefin telefonisch nichts von mir gehört hat. Das ist okay, ich habe mich ja nur an das Arbeitsrecht gehalten und telefonieren kann ich im Ausnahmezustand eben nicht. Da ich nicht wusste, wie es mit mir weitergeht, kann ich natürlich auch keine Versprechungen machen. Aber das ist zu kalt, zu fremd, man wünscht sich eben doch Mitarbeiter, die überfreundlich sind oder zumindest "normal" kommunizieren. Das verstehe ich.

Den Menschen ist nicht zu helfen. 

Meine Arbeit habe ich zur allerbesten Zufriedenheit ausgeführt, habe selbst an Kleinigkeiten gedacht, habe vor allem von den Personen, um die es ging, nur sehr gute Sachen gehört, wurde ständig gelobt von der Familie, um dessen Kind ich mich kümmerte (als Diabetesbegleiterin im Quereinstieg). 

Das Problem ist nicht, was ich KANN. Das Problem ist das Setting und das sieht niemand, da sich niemand wirklich so füreinander interessiert. Stattdessen wird so wie in jedem Betrieb statt miteinander zu reden nur übereinander gelästert, sobald die betreffende Person den Raum verlässt. Ich habe sehr schnell erkannt, wo das Problem im Betrieb liegt. Zuletzt sollte ich noch über eine Kollegin der Chefin gegenüber lügen bzgl. Arbeitszeiten und Übernahme anderer Aufgaben, was ich einfach nicht über mich brachte. 

Ich kann in dieser Welt nicht mehr mit; und ich weiß inzwischen, es liegt nur an mir und meinem Hang zu Detail, zu Gerechtigkeit, zu Wahrheit und meinem Unvermögen, meine Gefühle mitzuteilen und mir selbst genügend Wertschätzung entgegenzubringen. 
Wahrheit wird bestraft und Lügen kommen durch; ich sortiere mich gerade und muss meinen Glauben an "Das Licht ist stärker als das Dunkel" wiederfinden.

Bis auf weiteres bin ich also wieder arbeitslos; was für ein schreckliches Jahr.
Zuerst die Hoffnung auf ein inklusives Cafe und die Erhaltung meines Arbeitsplatzes am Flügel. Dann der Schock über die Wendung der Verpächterin, die uns nicht nur unsere Einarbeitungszeit von 1,5 Monaten nicht bezahlen wollte, sondern auch noch anfing uns Diebstahl zu unterstellen...

Meine Autismusberatung wurde seit 2 Jahren kein einziges Mal in Anspruch genommen. Vermutlich werbe ich zu wenig. 
Es gab auch nur eine einzige Anfrage über die Internetseite für ein Konzert, aber die Leute hatten keine Emailadresse und keine Telefonnummer hinterlegt, so konnte ich nicht zurückschreiben. Habe das Kontaktformular aktualisiert und einiges mehr.

Gerne würde ich irgendwo ein Konzert geben, aber da bin ich auf Hilfe angewiesen...Vielleicht könnte mich jemand einladen, gerne gegen Beteiligung an den Einnahmen. Ich spiele am liebsten auf einem Flügel, aber Klavier ist auch schon schön.

Wer es geschafft hat, bis hier zu lesen, herzlichen Dank.

 

 

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